verletzungs-triage
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npx mdskill add Klotzkette/claude-fuer-deutsches-recht/verletzungs-triageStrukturierte Erstbewertung einer möglichen Schutzrechtsverletzung. Der Skill klärt, welches Recht verletzt sein könnte, bewertet den kommerziellen und rechtlichen Schweregrad und empfiehlt die verhältnismäßige Reaktion auf einer fünfstufigen Skala: von „Ignorieren" bis „Sofortklage". Die Empfehlung wird kalibriert an der im Kanzleiprofil hinterlegten Durchsetzungsstrategie.
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--- name: verletzungs-triage description: "Verletzungs-Triage bei gewerblichen Schutzrechten und Wettbewerbsrecht: Marke (§ 14 MarkenG), Patent (§ 9 PatG), Urheberrecht (§ 97 UrhG), Wettbewerb (§ 8 UWG). Entscheidungsempfehlung: Ignorieren / Informelles Schreiben / Abmahnung / einstweilige Verfügung / Klage." --- # Verletzungs-Triage ## Zweck Strukturierte Erstbewertung einer möglichen Schutzrechtsverletzung. Der Skill klärt, welches Recht verletzt sein könnte, bewertet den kommerziellen und rechtlichen Schweregrad und empfiehlt die verhältnismäßige Reaktion auf einer fünfstufigen Skala: von „Ignorieren" bis „Sofortklage". Die Empfehlung wird kalibriert an der im Kanzleiprofil hinterlegten Durchsetzungsstrategie. ## Eingaben - Beschreibung der möglichen Verletzungshandlung (mit Beweismitteln: URLs, Screenshots, Produktbeschreibungen, Werbematerial) - Art des eigenen Schutzrechts (falls bekannt: Registernummer) - Identität der gegnerischen Partei (falls bekannt) - Kommerzieller Kontext (Wettbewerber, Trittbrettfahrer, gutgläubiger Dritter) - Zeitpunkt der Entdeckung - Marktsituation (Marktanteile, wirtschaftlicher Schaden schätzungsweise) ## Ablauf ### 1. Rechtsgrundlage identifizieren Zunächst bestimmen, welches Recht verletzt sein könnte: #### Markenrecht (§ 14 MarkenG) **Verletzungsformen:** - § 14 Abs. 2 Nr. 1: Doppelidentität (identisches Zeichen + identische Waren/DL) - § 14 Abs. 2 Nr. 2: Verwechslungsgefahr (ähnliches Zeichen + ähnliche Waren/DL) - § 14 Abs. 2 Nr. 3: Bekannte Marke, Rufausnutzung/-beeinträchtigung **Checkliste Markenrechtsverletzung:** - [ ] Handelt der Verletzer im geschäftlichen Verkehr? - [ ] Benutzt er das Zeichen für Waren oder Dienstleistungen? - [ ] Fehlt die Zustimmung des Markeninhabers? - [ ] Ist die Marke schutzfähig und nicht durch Einreden (Benutzungsschonfrist § 26 MarkenG, Verfalls § 53 MarkenG) gefährdet? - [ ] Greift keine Schranke (§§ 20–26 MarkenG: beschreibende Benutzung, rein dekorative Benutzung)? Leiturteile: BGH, Urt. v. 14.09.2017 – I ZR 261/15, GRUR 2018, 102 Rn. 18 – „Ortlieb I"; BGH, Urt. v. 11.04.2019 – I ZR 108/18, GRUR 2019, 1289 Rn. 21 – „Ortlieb II" (keyword advertising); EuGH, Urt. v. 23.03.2010 – C-236/08 bis C-238/08 (Google France), GRUR 2010, 445 Rn. 89 (AdWords). #### Patentrecht (§ 9 PatG) **Verletzungshandlungen:** - § 9 Satz 2 Nr. 1: Herstellen, Anbieten, Inverkehrbringen, Gebrauchen, Einführen oder Besitzen des patentierten Erzeugnisses - § 9 Satz 2 Nr. 2: Anbieten/Liefern von Mitteln zur Benutzung der Erfindung (mittelbare Patentverletzung, § 10 PatG) - § 9 Satz 2 Nr. 3: Verfahrenspatentverletzung **Checkliste Patentverletzung:** - [ ] Patent in Kraft (Jahresgebühren, keine Nichtigerklärung)? - [ ] Alle Merkmale des Hauptanspruchs im Verletzungsgegenstand? - [ ] Äquivalenzprüfung erforderlich? (BGH – „Pemetrexed") - [ ] Schranken (§§ 11, 12 PatG: Privatbenutzung, Vorbenützungsrecht)? #### Urheberrecht (§ 97 Abs. 1 UrhG) **Verletzungshandlungen:** Vervielfältigung (§ 16), Verbreitung (§ 17), öffentliche Zugänglichmachung (§ 19a), Bearbeitung ohne Zustimmung (§ 23). **Checkliste Urheberrechtsverletzung:** - [ ] Werk urheberrechtlich schutzfähig (§ 2 UrhG, persönliche geistige Schöpfung)? - [ ] Urheber/Rechteinhaber identifiziert? - [ ] Schutzfrist nicht abgelaufen (70 Jahre nach Tod des Urhebers, § 64 UrhG)? - [ ] Keine Schranke (§§ 44a ff. UrhG: Zitat, Karikaturl Parodik)? - [ ] Nachweis der Verletzung ausreichend (z. B. Hash-Vergleich bei Filesharing)? Leiturteil: BGH, Urt. v. 27.07.2017 – I ZR 228/15, GRUR 2018, 178 – „Afterlife"; BGH, Urt. v. 19.03.2015 – I ZR 94/13, GRUR 2015, 987 – „Trassenmiete" (Schutzumfang Lichtbilder). #### Wettbewerbsrecht (§ 8 UWG) **Verletzungshandlungen:** Unlautere geschäftliche Handlungen gem. §§ 3 ff. UWG (Irreführung § 5, Anschwärzung § 4 Nr. 2, Imitation § 4 Nr. 3, vergleichende Werbung § 6, aggressive Praktiken § 4a, unzumutbare Belästigung § 7). **Checkliste UWG-Verstoß:** - [ ] Geschäftliche Handlung? - [ ] Unlauterkeit nachweisbar? - [ ] Mitbewerber, qualifizierte Einrichtung oder Verbraucherschutzverband anspruchsberechtigt (§ 8 Abs. 3 UWG)? - [ ] Besondere Gefahr des Leistungsschutzes nach § 4 Nr. 3 UWG (konkrete Nachahmung)? Leiturteil: BGH, Urt. v. 29.04.2021 – I ZR 193/20, GRUR 2021, 1308 Rn. 25 – „Pelikan" (Abgrenzung Produkt-Imitation); BGH, Urt. v. 12.07.2018 – I ZR 74/17, GRUR 2018, 1157 – „Pelikan-Apotheke" (UWG und Markenrecht im Verhältnis). ### 2. Schwere der Verletzung bewerten **Faktoren:** | Faktor | Erhöht Schwere | Vermindert Schwere | |---|---|---| | Kommerzieller Schaden | Konkreter Umsatzverlust nachweisbar | Kein messbarer Schaden | | Vorsatz | Bewusstes Kopieren, Wiederholungstäter | Gutgläubig, einmaliger Verstoß | | Reichweite | Bundesweite oder internationale Verbreitung | Lokal begrenzt | | Wettbewerbssituation | Direkter Wettbewerber | Randmarkt, kein direkter Wettbewerber | | Zeitkritizität | Weihnachtsgeschäft, Produkteinführung | Kein Zeitdruck | | Beweissituation | Klare Verletzung dokumentiert | Verletzung bestreitbar | ### 3. Handlungsoptionen | Option | Beschreibung | Geeignet wenn | |---|---|---| | **A) Ignorieren / Beobachten** | Aktenvermerk; Beobachtung; kein aktives Vorgehen | Geringfügig, kein kommerzieller Schaden, defensiver Mandant | | **B) Informelles Schreiben** | Freundliche Kontaktaufnahme ohne Anwaltsbrief; Aufforderung zur Unterlassung ohne Vertragsstrafe | Gutgläubiger Dritter; Erstkontakt sinnvoll; Beziehungserhalt | | **C) Abmahnung** | Förmliche Abmahnung mit modifizierter Unterlassungserklärung und Kostenerstattungsanspruch | Klare Verletzung; ausgewogene/offensive Strategie; Kostenerstattung gewünscht | | **D) Einstweilige Verfügung** | Antrag auf EV ohne vorherige Abmahnung (Dringlichkeit); oder nach fruchtlosem Fristablauf | Eilbedürftigkeit; drohende Messepräsenz; laufende Verletzung mit steigendem Schaden | | **E) Hauptsacheklage** | Klage auf Unterlassung, Schadensersatz, Auskunft | Schwere Verletzung; Abmahnung erfolglos; hoher Streitwert; Grundsatzklärung | **Dringlichkeitsprüfung für einstweilige Verfügung:** - EV-Dringlichkeit wird von OLG Hamburg/Köln/München regelmäßig auf **1 Monat** ab Kenntnis des Verletzers begrenzt; danach Dringlichkeit widerlegt (BGH, Urt. v. 01.07.2010 – I ZR 160/08, GRUR 2010, 1103 Rn. 12 – „Pralinenform II"); `[prüfen – je nach Gericht]` - EV-Antrag muss schlüssig und mit eidesstattlichen Versicherungen gestützt sein - Vollziehungsfrist: EV muss innerhalb 1 Monat zugestellt werden (§ 929 Abs. 2 ZPO) ### 4. Strategische Einschätzung **Kostenrisiko:** Streitwert und voraussichtliche Kosten (beide Seiten) grob schätzen: - OLG-Verfahren Markenrecht: oft 5.000–30.000 € Anwaltskosten je Seite - LG-Hauptsacheklage Patent: oft 50.000–200.000 €+ je Seite - EV-Verfahren: i. d. R. günstiger, aber Abschlussschreiben folgt **Gegenmaßnahmen-Risiko:** - Kann Gegner Widerklage auf Nichtigkeit (Patent) oder Löschung (Marke) erheben? - Gegenseitige Verletzungsansprüche? - Reputationsrisiko bei öffentlichem Streit? ### 5. Empfehlung Durchsetzungsstrategie aus Kanzleiprofil anwenden und klare Empfehlung formulieren (A–E), mit Begründung und Vorbehalt für anwaltliche Letztentscheidung. ## Quellen und Zitierweise Zitierweise nach `../references/zitierweise.md`. **Normen:** §§ 14, 15 MarkenG; §§ 9, 10, 139 PatG; §§ 97, 97a UrhG; §§ 3, 8 UWG; §§ 935–945 ZPO (EV); § 256 ZPO (NFL). **Leitentscheidungen:** - BGH, Urt. v. 14.09.2017 – I ZR 261/15, GRUR 2018, 102 – „Ortlieb I" (Marke). - BGH, Urt. v. 12.07.2018 – I ZR 74/17, GRUR 2018, 1157 – „Pelikan-Apotheke" (UWG/Marke). - BGH, Urt. v. 14.06.2016 – X ZR 29/15, GRUR 2016, 921 – „Pemetrexed" (Patent, Äquivalenz). - BGH, Urt. v. 27.07.2017 – I ZR 228/15, GRUR 2018, 178 – „Afterlife" (Urheberrecht). - BGH, Urt. v. 01.07.2010 – I ZR 160/08, GRUR 2010, 1103 – „Pralinenform II" (EV-Dringlichkeit). **Kommentarliteratur:** - Köhler, in: Köhler/Bornkamm/Feddersen, UWG, 43. Aufl. 2025, § 8 Rn. 1.100 ff. - Ingerl/Rohnke, MarkenG, 3. Aufl. 2010, § 14 Rn. 345 ff. - Wandtke/Bullinger, UrhR, 6. Aufl. 2022, § 97 Rn. 1 ff. - Dreier/Schulze, UrhG, 7. Aufl. 2022, § 97 Rn. 10 ff. - Schricker/Löwenheim, UrhG, 6. Aufl. 2020, § 97 Rn. 42 ff. ## Ausgabeformat **Triage-Memo:** 1. Sachverhaltsdarstellung (2–3 Sätze) 2. Rechtliche Einordnung (je Anspruchsgrundlage: Kurze Prüfung) 3. Schwerbewertung (Ampel: 🔴/🟠/🟡/🟢) 4. Handlungsoptionen A–E mit Vor-/Nachteilen 5. Empfehlung (kalibriert an Kanzleiprofil) 6. Entscheidungsbaum ## Risiken / typische Fehler - **EV-Dringlichkeit verpassen:** Frist von 1 Monat ab Kenntnis läuft schnell ab; sofort nach Entdeckung handeln. - **Beweis nicht sichern:** Screenshots, archivierte Webseiten (Wayback Machine, web.archive.org), notarielle Protokolle sofort nach Entdeckung anfertigen; Beweise könnten sonst verschwinden. - **Gegenangriff nicht einkalkulieren:** Besonders bei Patentverfahren besteht erhebliches Nichtigkeitsrisiko; bei Marken Löschungsantrag möglich. - **Missbrauchsrisiko § 8c UWG:** Serielle Abmahnungen mit primärem Gebührenerzielungszweck sind missbräuchlich; anwaltliche Prüfung des Gesamtbilds erforderlich. - **Verjährung beachten:** § 20 MarkenG (3 Jahre), § 141 PatG (3 Jahre), § 102 UrhG (3 Jahre), § 11 UWG (6 Monate ab Kenntnis / 3 Jahre absolut); `[Modellwissen – prüfen]`.
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