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name: tatbestaende-lernen
description: "Lernt Tatbestände systematisch — Tatbestandsmerkmale zerlegen, Definitionen abrufbar machen, Streitstände im Kontext der Merkmale verorten, Schemata als Hilfsgerüst, häufige Tatbestände BGB/StGB/VwR im Drillformat. Lädt, wenn der Nutzer „Tatbestand lernen\", „Definitionen lernen\", „TBM-Karteikarten\", „§ XYZ üben\" oder „wie lerne ich BGB-Tatbestände\" sagt."
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# Tatbestände lernen
## Triage zu Beginn
1. Welcher Tatbestand soll erarbeitet werden (§ 242 StGB, § 280 BGB, § 823 BGB, etc.)?
2. Ist das Ziel: Tatbestandsmerkmale kennen, Definitionen abrufbar machen oder Streitstaende verorten?
3. Soll im Drill-Format (Abfragen) oder im Erklaer-Format (Zusammenhaenge) gearbeitet werden?
4. Gibt es einen Klausur-/Examens-Druck oder dient die Übung der Grundlagen-Vertiefung?
## Aktuelle Rechtsprechung
- BGH, Urt. v. 28.06.2018 - 3 StR 108/18, NStZ 2019, 28 — § 242 StGB: Gewahrsamsbruch als mehrstuftiges Tatbestandsmerkmal; Bruch erfordert Aufhebung gegen den Willen des Inhabers.
- BGH, Urt. v. 20.06.2012 - VIII ZR 268/11, NJW 2012, 3234 — § 280 BGB: Pflichtverletzung als zentrales Tatbestandsmerkmal; muss konkret benannt und subsumiert werden.
- BGH, Urt. v. 30.01.2018 - VI ZR 531/16, NJW 2018, 1884 — § 823 BGB: Verletzung eines absolut geschuetzten Rechtsguts als Tatbestandsmerkmal; Abgrenzung allgemeines Vermoegen vs. absolutes Recht.
- BVerwG, Urt. v. 09.06.1967 - IV C 38.67, BVerwGE 27, 141 — Verwaltungsrechtlicher Tatbestand: Ermessensnorm erfordert Pruefung Tatbestandsstufe und Rechtsfolgenstufe getrennt.
## Zentrale Normen
- §§ 433, 280, 823 BGB — Zivil-Kerntatbestaende fuer Drill-Lernen
- §§ 242, 263, 212 StGB — Straf-Kerntatbestaende fuer Drill-Lernen
- §§ 40, 42 VwGO — VwR-Grundtatbestaende fuer Drill-Lernen
- §§ 133, 157 BGB — Auslegung als Querschnittskompetenz bei jedem Tatbestand
## Kommentarliteratur
- Fischer StGB § 242 Rn. 1-60, § 263 Rn. 1-80 (Klassik-Tatbestaende Strafrecht)
- Grüneberg/Grüneberg BGB §§ 280, 823 Rn. 1-50 (Kerntatbestaende Zivilrecht)
## Zweck
Die Subsumtion (siehe `subsumtionslehre`) ist nur möglich, wenn die Tatbestandsmerkmale abrufbar sind. Wer „fremd" im Sinne von § 242 StGB nicht definieren kann, kann nicht subsumieren — egal wie gut die Methodik sitzt. Diese Skill lernt Tatbestände **nicht durch Auswendiglernen ganzer Gesetzestexte**, sondern durch das Zerlegen in einzelne, abrufbare Bausteine.
## Eingaben
- **Tatbestand** (z. B. § 433 BGB, § 242 StGB, § 35 VwVfG)
- Optional: **Rechtsgebiet** für eine Karteikartenladung mehrerer Normen (BGB Schuldrecht AT, StGB Vermögensdelikte, VerwR Allgemeiner Teil)
- Optional: **Niveau** (Anfang / Examensvorbereitung)
## Methodik
### Schritt 1 — Norm zerlegen
Jedes Tatbestandsmerkmal isolieren. Beispiel § 433 I 1 BGB:
- **„Durch den Kaufvertrag"** — gegenseitiger schuldrechtlicher Vertrag (Angebot, Annahme).
- **„wird der Verkäufer einer Sache verpflichtet"** — Sache § 90 BGB, Verkäuferpflicht.
- **„dem Käufer die Sache zu übergeben"** — Besitzverschaffung § 854 BGB.
- **„und das Eigentum an der Sache zu verschaffen"** — Verfügungsgeschäft §§ 929 ff. BGB, Trennungsprinzip.
Sechs Merkmale, sechs Lernziele.
### Schritt 2 — Definition pro Merkmal
Jedes Merkmal bekommt eine **abrufbare Definition** — kurz, im eigenen Wortlaut, mit zwei bis drei Markern.
Beispiel „fremd" (§ 242 StGB):
> Fremd ist eine Sache, wenn sie weder im **Alleineigentum** des Täters steht noch **herrenlos** ist. Maßgeblich ist die zivilrechtliche **Eigentumslage** im Tatzeitpunkt.
Marker: Alleineigentum / herrenlos / zivilrechtlich / Tatzeitpunkt — vier Anker, abprüfbar.
### Schritt 3 — Streitstand verankern
Streitstände werden **am Tatbestandsmerkmal**, nicht „irgendwo daneben" gelernt. Beispiel: Theorienstreit zur „Sache" als „Tier" (§ 90a BGB) gehört zu § 433 I als Streit um den Sachbegriff im Kaufrecht (Ergebnis: Tiere können Gegenstand eines Kaufvertrags sein, § 90a S. 3 BGB).
Aufbau einer Streit-Karteikarte:
- **Frage**: Welche Auffassungen vertreten BGH, Lehre Mindermeinung beim Merkmal X?
- **Antwort**: Eine Position pro Bullet, jeweils mit Argument („+") und Gegenargument („−").
### Schritt 4 — Hilfsgerüst Schemata
Schemata sind erlaubt — als Lernhilfsmittel, **nicht** als Klausurprodukt. Siehe `loesungsschemata` für die ehrliche Einordnung.
### Schritt 5 — Drill
- Skill fragt: „Wie definierst du `fremd`?"
- Studierender antwortet.
- Skill prüft Vollständigkeit: vier Anker erwartet, drei genannt — „Was fehlt: zivilrechtlich oder Tatzeitpunkt?"
- Korrektur, Wiederholung, in Karteikarte einfügen.
## Tatbestandsgruppen — was sich lohnt
### BGB
- **Schuldrecht AT**: §§ 280, 286, 281, 311a, 313, 314, 320, 323, 326 — die Leistungsstörungs-Familie.
- **Schuldrecht BT**: § 433 (Kauf), § 535 (Miete), § 631 (Werk), § 611, 611a (Dienst, Arbeitsvertrag), § 812 (Bereicherung).
- **Sachenrecht**: §§ 929 ff. (Übereignung), § 932 (gutgläubiger Erwerb), § 985 (Herausgabe), § 1004 (Beseitigung/Unterlassung), §§ 994 ff. (EBV).
- **Deliktsrecht**: § 823 I, § 823 II, § 826, § 831.
### StGB
- **Vermögensdelikte**: §§ 242, 246, 253, 263, 266, 267.
- **Tötung/Körper**: §§ 211, 212, 213, 222, 223, 224, 226, 227.
- **Freiheit/Ehre**: §§ 185, 186, 187, 240, 239.
- **Straßenverkehr**: §§ 315c, 316, 142.
### Öffentliches Recht
- **§ 35 VwVfG** (VA).
- **§§ 113, 114, 80 V VwGO** (Anfechtung, Ermessen, einstweiliger Rechtsschutz).
- **Grundrechte** als Schichtenprüfung (siehe `methodenlehre-oeffentliches-recht`).
## Karteikartenintegration
Diese Skill arbeitet eng mit `karteikarten`:
- Pro Tatbestand → 1 Karte „Norm und Tatbestandsmerkmale" + pro Merkmal 1 Karte „Definition".
- Pro Streitstand → 1 Karte mit Argumenten und Gegenargumenten.
- Frequenz: Vor der Klausur 14 Tage täglich, dann SM-2-Algorithmus.
## Querverweise
- `subsumtionslehre` — Tatbestände werden gelernt, **damit** subsumiert werden kann.
- `karteikarten` — Format für die abrufbaren Bausteine.
- `methodenlehre-zivilrecht`, `methodenlehre-strafrecht`, `methodenlehre-oeffentliches-recht` — Tatbestände im jeweiligen Methodenrahmen.
- `loesungsschemata` — Hilfsgerüst (mit Disclaimer).
- `pruefungsgespraech-ag` — Definitionen mündlich abfragen.
## Was diese Skill nicht tut
- Sie liefert keine vorgefertigten Karteikartendecks, die der Studierende nur konsumiert. Lernzweck wäre dann verfehlt. Die Definitionen muss der Studierende formulieren — die Skill korrigiert.
- Sie ersetzt keinen Palandt/Grüneberg, keinen Schönke/Schröder, keinen Kopp/Ramsauer — sie lehrt den Umgang mit dem Kommentar.
- Sie übt keine ganzen Klausuren (siehe `gutachten-uebung`).