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name: kueschk-klageschrift-anwalt-baustein
description: "Anwaltliche Klageschrift Kuendigungsschutzklage: Klageschrift mit Tenor und Hilfsantraegen; Weiterbeschaeftigungsantrag; Anlagen-Checkliste; strukturierte Begruendung nach KSchG-Pruefschema; Beweisangebote; BAG-Zitierstil."
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# Klageschrift — Anwaltliche Version
## Triage zu Beginn — kläre vor Klageschrifterstellung
1. Drei-Wochen-Frist § 4 KSchG gewahrt? (Zugang + 21 Tage)
2. KSchG anwendbar? (§ 23 KSchG: > 10 Arbeitnehmer; § 1 Abs. 1 KSchG: > 6 Monate)
3. Sonderkündigungsschutz vorhanden? (Schwangerschaft, BR-Mitglied, SGB IX etc.)
4. Formfehler vorhanden? (§ 623 BGB; § 174 BGB; § 102 BetrVG)
5. Welcher Haupt-Angriffspunkt? (Formfehler / KSchG-Anwendbarkeit / materieller Grund)
6. Weiterbeschäftigungsantrag stellen? (nur wenn Mandant tatsächlich zurück will)
## Zentrale Normen
- § 4 Satz 1 KSchG — Klagefrist 3 Wochen ab Zugang
- § 7 KSchG — Fiktion der Wirksamkeit bei Fristversäumnis
- § 1 Abs. 2 KSchG — Soziale Rechtfertigung (betriebs-, personen-, verhaltensbedingt)
- § 23 Abs. 1 KSchG — Geltungsbereich (> 10 Arbeitnehmer)
- § 102 BetrVG — BR-Anhörung; Unwirksamkeit ohne ordnungsgemäße Anhörung
- § 623 BGB — Schriftformerfordernis Kündigung
- § 42 Abs. 2 GKG — Streitwert: 3 Bruttomonatsgehalter
- § 12a ArbGG — kein Kostenerstattungsanspruch erste Instanz
- § 256 ZPO — allgemeiner Feststellungsantrag (sog. Schleppnetz)
## Aktuelle Rechtsprechung
- BAG, Urt. v. 20.06.2013 – 2 AZR 379/12, NZA 2014, 139 — Betriebsbedingte Kündigung: Der Arbeitgeber muss konkret darlegen, welche unternehmerische Entscheidung er getroffen hat und dass infolge dieser Entscheidung der Beschäftigungsbedarf dauerhaft entfallen ist; Pauschalbehauptung von Auftragsrückgang genügt nicht.
- BAG, Urt. v. 29.06.2017 – 2 AZR 302/16, NZA 2018, 61 — Verhaltensbedingte Kündigung: Eine Abmahnung ist bei steuerbarem Verhalten grundsätzlich erforderlich; sie kann nur ausnahmsweise entbehrlich sein, wenn es sich um eine schwerwiegende Pflichtverletzung handelt, bei der eine Verhaltensänderung nicht zu erwarten ist.
- BAG, Urt. v. 22.09.2016 – 2 AZR 700/15, NZA 2017, 175 — BR-Anhörung: Der Arbeitgeber hat dem Betriebsrat alle für die Kündigung maßgeblichen Tatsachen mitzuteilen; Nachschieben von Tatsachen, die dem Betriebsrat nicht mitgeteilt wurden, ist im Prozess ausgeschlossen.
- BAG GS, Beschl. v. 27.02.1985 – GS 1/84, BAGE 48, 122 — Allgemeiner Weiterbeschäftigungsanspruch: Nach erstinstanzlichem Obsiegen besteht ein Anspruch auf tatsächliche Weiterbeschäftigung aus §§ 611, 613, 242 BGB i.V.m. Art. 1 und 2 GG; der Arbeitgeber muss überragende Gegeninteressen darlegen.
## Kommentarliteratur
- ErfK/Oetker, 24. Aufl. 2024, § 1 KSchG Rn. 200–300 (Darlegungs- und Beweislast betriebsbedingte Kündigung; Sozialauswahl)
- Schaub/Linck, Arbeitsrechts-Handbuch, 19. Aufl. 2021, § 133 Rn. 1–50 (Klageschrift Kündigungsschutz; Anträge; Anlagen)
- HWK/Quecke, 10. Aufl. 2022, § 102 BetrVG Rn. 1–50 (BR-Anhörung; formelle Anforderungen; Konsequenzen)
## Zweck
Dieser Skill erzeugt eine anwaltliche Klageschrift für Kündigungsschutzverfahren vor dem Arbeitsgericht. Er setzt Kenntnisse des KSchG-Prüfschemas voraus und ist für Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte konzipiert.
## Vorprüfung (Checkliste)
Vor Einreichung sicherstellen:
- [ ] Drei-Wochen-Frist § 4 KSchG gewahrt
- [ ] KSchG-Geltungsbereich geprüft (§§ 1, 23 KSchG)
- [ ] Sonderkündigungsschutz geprüft
- [ ] Formfehler geprüft (§§ 623 BGB, 174 BGB, 102 BetrVG)
- [ ] Mandant über Kostenrisiko belehrt (§ 12a ArbGG: kein Kostenerstattungsanspruch erste Instanz)
- [ ] Vollmacht vorliegen
## Klageschrift-Muster (Vollform)
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An das
**Arbeitsgericht [ORT]**
Klageschrift
in dem Rechtsstreit
[VORNAME] [NACHNAME], [STRASSE], [PLZ] [ORT]
— Kläger —
Prozessbevollmächtigte: Rechtsanwältin/Rechtsanwalt [NAME], [KANZLEI], [ANSCHRIFT], Az.: [AKTENZEICHEN]
gegen
[ARBEITGEBERIN — vollständige Firma, Rechtsform], vertreten durch [VERTRETUNGSBERECHTIGTE], [ANSCHRIFT]
— Beklagte —
**Streitwert:** Vorläufig [3 × BMONAT] EUR (§ 42 Abs. 2 GKG, drei Bruttomonatslöhne)
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**KLAGEANTRÄGE**
Der Kläger beantragt:
1. Es wird festgestellt, dass das Arbeitsverhältnis der Parteien durch die Kündigung der Beklagten vom [DATUM], zugegangen am [DATUM], nicht aufgelöst worden ist (§ 4 Satz 1 KSchG).
2. Es wird festgestellt, dass das Arbeitsverhältnis der Parteien auch nicht durch andere Beendigungsgründe aufgelöst worden ist, sondern über den [DATUM] hinaus zu unveränderten Bedingungen fortbesteht (§ 256 ZPO — allgemeiner Feststellungsantrag, sog. Schleppnetz).
3. Die Beklagte wird verurteilt, den Kläger bis zum rechtskräftigen Abschluss des Kündigungsschutzverfahrens zu den bisherigen Arbeitsbedingungen als [BERUFSBEZEICHNUNG] tatsächlich weiterzubeschäftigen (allgemeiner Weiterbeschäftigungsanspruch nach BAG GS, Beschl. v. 27.02.1985 – GS 1/84, BAGE 48, 122).
[Hilfsweise zu Antrag 3:]
3a. [Hilfsweise: Weiterbeschäftigung nach § 102 Abs. 5 BetrVG, sofern BR-Widerspruch vorliegt]
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**BEGRÜNDUNG**
**A. Sachverhalt**
Der Kläger ist seit dem [DATUM] bei der Beklagten beschäftigt (Bl. [X] d.A., Anlage K 1). Das monatliche Bruttogehalt beläuft sich auf [BETRAG] EUR. Der Betrieb der Beklagten beschäftigt regelmäßig mehr als zehn Arbeitnehmer i.S.d. § 23 Abs. 1 KSchG.
Am [DATUM] erhielt der Kläger die Kündigung der Beklagten (Anlage K 2). Die Kündigung wurde zum [DATUM] ausgesprochen.
**B. Anwendbarkeit des KSchG**
Das KSchG ist gemäß § 1 Abs. 1 KSchG anwendbar. Die Wartezeit von sechs Monaten ist mit einer Beschäftigungszeit seit [DATUM] erfüllt. Die Betriebsgröße überschreitet die Schwelle des § 23 Abs. 1 KSchG.
**C. Fehlende soziale Rechtfertigung (§ 1 Abs. 2 KSchG)**
[HIER EINZUFÜGEN — betriebsbedingt / personenbedingt / verhaltensbedingt — je nach Fall:]
*Betriebsbedingt:* Die Beklagte hat keinen konkreten unternehmerischen Entschluss dargelegt, der zum dauerhaften Wegfall des Beschäftigungsbedarfs des Klägers geführt hat. Bloße Behauptung eines Auftragsmangels genügt nicht (BAG, Urt. v. 20.06.2013 – 2 AZR 379/12, NZA 2014, 139 Rn. 20). Die Sozialauswahl (§ 1 Abs. 3 KSchG) ist fehlerhaft; Mitarbeiterin K weist geringere Sozialdaten auf.
**D. Formfehler [soweit einschlägig]**
[FORMFEHLER EINTRAGEN SOWEIT VORHANDEN — BR-Anhörung, Vollmacht etc.]
**E. Sonderkündigungsschutz [soweit einschlägig]**
[EINSCHLÄGIGEN SCHUTZ EINTRAGEN]
**F. Beweisangebote**
- Anlage K 1: Arbeitsvertrag
- Anlage K 2: Kündigungsschreiben
- Anlage K 3: Lohnabrechnung letzter Monat
- Zeugnis: [ZEUGEN] zum Beweis der Tatsachen unter [ABSCHNITT]
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[ORT], den [DATUM]
[ANWALTSUNTERSCHRIFT]
Rechtsanwältin/Rechtsanwalt
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## Anlagen-Checkliste
- [ ] K 1: Arbeitsvertrag + Änderungsverträge
- [ ] K 2: Kündigungsschreiben (Original)
- [ ] K 3: Lohnabrechnungen (letzter Monat)
- [ ] K 4: BR-Anhörungsschreiben (falls vorhanden)
- [ ] K 5: Vollmacht Bevollmächtigte/r
- [ ] K 6: Abmahnungen (bei verhaltensbedingter Kündigung)
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Hinweis: Keine Rechtsberatung. Mechanische Prüfung anhand vom Nutzer behaupteter Tatsachen. Falsche Sachverhaltsangabe oder falsche Anspruchsgrundlage entwertet das Ergebnis. Dringende Empfehlung anwaltlicher Beratung, insbesondere wegen der Drei-Wochen-Fristen.