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name: fachanwalt-bank-kapitalmarktrecht-anlageberatung-fehlerhaft
description: "Fehlerhafte Anlageberatung der Bank pruefen. Bond-Urteil-Pflichten anleger- und anlagegerecht. Aufklaerung ueber Risikoklassen Provisionen Rueckvergueterung Innenprovision Kick-backs. Vermutung aufklaerungsrichtigen Verhaltens BGH XI ZR. Schadensersatz §§ 280 311 BGB i.V.m. Beratungsvertrag bzw. § 826 BGB. Verjaehrung § 195 BGB drei Jahre ab Kenntnis ggf. § 199 Abs. 3 BGB Hoechstfrist zehn Jahre."
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# Anlageberatung fehlerhaft
## Kaltstart-Rückfragen
1. Welches Anlageprodukt wurde empfohlen (Aktie, Anleihe, Zertifikat, geschlossener Fonds, Schiffsfonds, Immobilienfonds)?
2. Wann erfolgte die Beratung und wann wurde der Erwerb getätigt? Liegt eine Geeignetheitserklärung § 64 Abs. 4 WpHG (bis 02.01.2018: Beratungsprotokoll § 34 Abs. 2a WpHG aF) vor?
3. Welche Risikoklasse hat der Mandant in seinem WpHG-Bogen angegeben? Wurde Risikobereitschaft und Anlageziel erfragt?
4. Hat die Bank über Rückvergütungen (Kick-backs) oder Innenprovisionen aufgeklärt?
5. Wie hoch ist der eingetretene Schaden (Erwerbsschaden, entgangener Gewinn)?
## Anspruchsgrundlagen
- Konkludenter Beratungsvertrag mit Bank/Berater bei eigener Anlageberatung: BGH XI ZR 12/93, Urt. v. 06.07.1993, Rn. 11 ff. (Bond-Urteil).
- Anleger- und anlagegerechte Beratung — Pflicht zur vollständigen, richtigen und verständlichen Information.
- Aufklärungspflicht über Rückvergütungen (Kick-backs): BGH XI ZR 510/07, Beschl. v. 20.01.2009, Rn. 12 ff. (Kick-back III); grundlegend BGH XI ZR 56/05, Urt. v. 19.12.2006, Rn. 22 (Kick-back II).
- Aufklärungspflicht über Innenprovisionen ab 15 Prozent: BGH III ZR 359/02, Urt. v. 12.02.2004, Rn. 38.
- Anspruchsgrundlage: §§ 280 Abs. 1, 311 Abs. 2 BGB i.V.m. Beratungsvertrag (Schadensersatz wegen Pflichtverletzung).
- Bei Vorsatz oder Sittenwidrigkeit zusätzlich § 826 BGB und § 31 BGB für Organhaftung.
- Vermutung aufklärungsrichtigen Verhaltens: BGH XI ZR 262/10, Urt. v. 08.05.2012, Rn. 28 ff.
## Beweislast und Frist
- Anleger trägt Darlegungs- und Beweislast für Beratungsfehler und Schaden.
- Bank trägt Beweislast für rechtzeitige und ordnungsgemäße Aufklärung.
- Bei festgestellter Pflichtverletzung wird Ursächlichkeit für Anlageentscheidung vermutet (Vermutung aufklärungsrichtigen Verhaltens).
- Verjährung Regelfrist § 195 BGB drei Jahre ab Kenntnis Schaden und Schädiger; Höchstfrist zehn Jahre § 199 Abs. 3 Nr. 1 BGB ab Anspruchsentstehung.
## Prüfschema
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1. Beratungssituation (Beratungsvertrag konkludent?)
2. Pflicht zu anleger- und anlagegerechter Beratung
3. Aufklaerungsmaengel identifizieren
- Risikoaufklaerung
- Rueckverguetung/Kick-back
- Innenprovision >= 15%
- Totalverlustrisiko (geschlossene Fonds)
4. Geeignetheitserklaerung § 64 Abs. 4 WpHG analysieren (bzw. § 34 Abs. 2a WpHG aF bis 02.01.2018)
5. Schaden berechnen (Erwerbsschaden + entgangener Gewinn)
6. Verjaehrung pruefen (3 Jahre Kenntnis / 10 Jahre Hoechstfrist)
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Standardliteratur: Grüneberg BGB § 280; Ellenberger/Schäfer Anlegerschutz; Assmann/Schneider WpHG-Kommentar.
## Schreibvorlage Anspruchsschreiben
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Sehr geehrte Damen und Herren,
namens und in Vollmacht unserer Mandantschaft machen wir Schadensersatz
wegen fehlerhafter Anlageberatung aus dem Beratungsvertrag vom [Datum]
und §§ 280 Abs. 1 311 Abs. 2 BGB geltend.
Unsere Mandantschaft erwarb am [Datum] auf Empfehlung Ihres Hauses das
Anlageprodukt [Produktbezeichnung WKN/ISIN] zu einem Erwerbspreis von
EUR [Betrag].
Beratungsfehler liegen in folgenden Punkten:
1. fehlende Aufklaerung ueber Rueckverguetung (Kick-back BGH XI ZR
510/07 Beschl. v. 20.01.2009 Rn. 12 ff.)
2. unterlassene Aufklaerung ueber Innenprovision von [...] Prozent
(BGH III ZR 359/02 Rn. 38)
3. anlegerunabhaengige Empfehlung trotz Risikoklasse [...]
Wir fordern Sie auf bis [Datum vier Wochen] Zug um Zug gegen Rueckgabe
der Wertpapiere den Erwerbspreis EUR [Betrag] zuzueglich entgangener
Gewinn in Hoehe von EUR [Betrag] zu erstatten.
Andernfalls werden wir Klage erheben.
Mit freundlichen Gruessen
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## Übergabe
- Bei Ablehnung: Klage am Sitz der Bank bzw. Wohnsitz des Anlegers § 32b ZPO bei kapitalanlegerrechtlichem Musterverfahren prüfen.
- Verjährungsfrist im Aktenkalender notieren — Hemmung durch Verhandlungen § 203 BGB sichern.
- Bei Vergleichsverhandlungen Hemmungsschriftverkehr dokumentieren.
## Vertiefung: Leitsaetze und Workflow-Ergaenzung
### Triage — Bevor losgelegt wird, klaere:
1. Wann fand die Beratung statt? → Verjaebrung 3 Jahre ab Kenntnis + max. 10 Jahre absolut.
2. Liegt Beratungsprotokoll (§ 83 WpHG / § 34 WpHG aF) oder Geeignetheitserklaerung (§ 64 WpHG) vor? → Fehlende Dokumentation = Beweisschwaeche Bank.
3. Erhielt die Bank Rueckverguetungen / Innenprovisionen? → Aufklaerungspflicht nach BGH XI ZR 56/05.
4. Wurde das Anlageprodukt anlegegerecht empfohlen (Risikoprofil vs. Produkt-Risikoklasse)? → Bond-Urteil BGH XI ZR 12/93.
5. Schadenshoehe: Differenzhypothese oder negatives Interesse berechnen?
### Ergaenzende Leitsaetze
- BGH, Urt. v. 17.09.2013 - XI ZR 332/12, NJW 2013, 3573 Rn. 22 — Fehlende WpHG-Dokumentation begruendet Vermutung, dass Beratung nicht anlegergerecht war; Bank muss diese Vermutung erschuettern.
- BGH, Urt. v. 27.09.2011 - XI ZR 178/10, NJW 2012, 66 Rn. 28 — Lehman-Zertifikate: Emittentenrisiko aufklaerungs-pflichtig; Investment-Grade-Rating allein genuegt nicht zur Entbindung von Aufklaerungspflicht.
- BGH, Urt. v. 22.03.2011 - XI ZR 33/10, NJW 2011, 1949 Rn. 33 — CMS Spread Ladder Swap: Aufklaerungspflicht ueber anfaenglichen negativen Marktwert; Eigeninteresse der Bank offenzulegen.
- BGH, Beschl. v. 20.01.2009 - XI ZR 510/07, NJW 2009, 1416 Rn. 12 — Kick-back III: Rueckverguetungen auch bei verdeckten Vertriebsprovisionen aufklaerungspflichtig; kein Ermessen der Bank.
### Schritt-fuer-Schritt-Workflow Anlageberatungsfehler
1. **Mandantengespräch:** Produkt, Datum Beratung, Risikoprofil, Verlusthoehe dokumentieren.
2. **Beratungsprotokoll anfordern** (§ 83 WpHG, § 64 Abs. 4 WpHG): 3-Tage-Frist auf Herausgabe.
3. **Pruefung Kickbacks:** Bank-interne Vertriebsprovision vom Emittenten = aufklaerungspflichtig.
4. **Schadensberechnung:** Eingesetztes Kapital minus aktueller Wert + entgangene 4 %-Verzinsung.
5. **Ausforderungsschreiben** an Bank mit 4-Wochen-Frist, Schadensaufstellung, Klageandrohung.
6. **Ombudsmann** einschalten (hemmt Verjaebrung § 204 BGB).
7. **Klage** bei Ablehnung: LG (§ 23 GVG Streitwert ab EUR 5.000).