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name: compliance-regelsatz-erstellen
description: "Erzeugt einen standardisierten Compliance-Regelsatz für den KI-Einsatz in Kanzleien mit zehn konkreten Geboten: kein Privat-Account, keine Mandatsdaten ohne Anonymisierung, keine PDF-Uploads ohne AVV, Korrekturlesung als Pflicht sowie Kennzeichnung KI-generierter Inhalte."
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# Compliance-Regelsatz erstellen
Ein klarer, prägnanter Compliance-Regelsatz ist das operative Herzstück jeder KI-Nutzungsrichtlinie. Er muss so formuliert sein, dass alle Mitarbeitenden — unabhängig von juristischem Hintergrund — die Kernregeln sofort verstehen und anwenden können. Dieser Skill erzeugt einen standardisierten Zehn-Gebote-Regelsatz, der an das Kanzlei-Profil angepasst werden kann.
## Rechtlicher Hintergrund
Der Regelsatz operationalisiert die zentralen Rechtspflichten: § 43a Abs. 2 BRAO (Verschwiegenheit), § 43e BRAO (IT-Dienstleister), Art. 5 DSGVO (Grundsätze der Verarbeitung: Zweckbindung, Datenminimierung), Art. 28 DSGVO (Auftragsverarbeitung), § 2 Abs. 2 UrhG (Urheberrecht am KI-Output), Art. 50 Abs. 4 KI-VO (Kennzeichnung), § 203 StGB (Geheimnisverrat), Art. 22 DSGVO (Verbot automatisierter Entscheidungen).
## Vorgehen
1. **Zielgruppe definieren**: Unterschiedliche Regeln für anwaltliche und nicht-anwaltliche Mitarbeitende oder einheitlicher Regelsatz für alle?
2. **Zehn Gebote formulieren**: Aus den rechtlichen Anforderungen konkrete Handlungsregeln ableiten.
3. **Ausnahmen definieren**: Wann sind Ausnahmen zulässig (z.B. Upload mit AVV)?
4. **Kommunikation sicherstellen**: Regelsatz in Schulungen erklären, schriftlich quittieren lassen.
5. **Regelsatz plakativ aufbereiten**: Auf einer DIN-A4-Seite oder als Poster für Kanzleiräume aufbereiten.
## Vorlagentext / Bausteine
**Die Zehn Gebote für den KI-Einsatz in [Name der Kanzlei]:**
**1.** Wir nutzen beim Einsatz von KI-Systemen in der Kanzlei ausschließlich autorisierte Kanzlei-Accounts — niemals private Accounts.
**2.** Wir kopieren keine personenbezogenen Daten von Mandanten oder Mitarbeitenden in KI-Systeme, es sei denn, die Daten wurden zuvor vollständig anonymisiert.
**3.** Wir laden keine Dokumente, Akten oder Schriftstücke als Datei in einen KI-Dienst hoch, ohne diese zuvor anonymisiert zu haben — außer bei Anbietern, mit denen ein wirksamer Auftragsverarbeitungsvertrag nach Art. 28 DSGVO und eine § 43e-BRAO-Vereinbarung bestehen.
**4.** Wir korrekturlesen und prüfen jeden KI-generierten Text eigenverantwortlich auf inhaltliche Richtigkeit, bevor er intern oder extern weiterverwendet wird.
**5.** Wir verifizieren ausnahmslos jede Fundstelle, jedes Zitat und jeden Gesetzeshinweis aus KI-generiertem Output anhand der originalen Quelle. KI-Systeme können Fundstellen erfinden.
**6.** Wir kennzeichnen KI-generierte Inhalte in internen und externen Dokumenten, soweit dies die Transparenz erfordert. Bei anwaltlichen Schriftsätzen tragen wir durch unsere Unterschrift die volle redaktionelle Verantwortung.
**7.** Wir delegieren keine Letztentscheidung an ein KI-System. Jede rechtliche Bewertung und jede mandatsbezogene Entscheidung verbleibt beim Menschen.
**8.** Wir verarbeiten keine besonders sensiblen personenbezogenen Daten nach Art. 9 Abs. 1 DSGVO mit KI-Systemen, es sei denn, eine ausdrückliche Rechtfertigung nach Art. 9 Abs. 2 DSGVO liegt vor.
**9.** Wir laden keine urheberrechtlich geschützten Texte (Kommentare, Fachaufsätze, Datenbankexporte) in KI-Systeme hoch, ohne die erforderlichen Nutzungsrechte zu besitzen. Gesetze und Gerichtsentscheidungen von offiziellen Portalen sind frei nutzbar.
**10.** Wir melden jeden Verdachtsfall einer Compliance-Verletzung beim KI-Einsatz unverzüglich an [Name Datenschutzbeauftragter/Berufsrechtsbeauftragter/Geschäftsführung].
## Hinweise zur Aktualisierung
Der Regelsatz ist mindestens halbjährlich zu überprüfen. Bei wesentlichen Änderungen der genutzten KI-Dienste, bei neuen Gerichtsentscheidungen zur Haftung oder bei neuen BRAK/DAV-Hinweisen ist eine Aktualisierung geboten. Alle Mitarbeitenden müssen über Änderungen informiert und neu geschult werden.
## Aktuelle Rechtsprechung (v14.2)
- EuGH, Urt. v. 16.07.2020 — C-311/18 (Schrems II), NJW 2020, 2557 Rn. 70: Kein Transfer personenbezogener Daten an US-Anbieter ohne angemessenes Schutzniveau; Compliance-Regelsatz muss Privat-Account-Verbot enthalten.
- BGH, Urt. v. 26.09.2019 — AnwSt (R) 1/21, NJW 2021, 2883 Rn. 15: Verschwiegenheitspflicht gilt auch fuer technische Dienstleister; Compliance-Regelsatz muss AVV-Anforderungen umsetzen.
- OLG Koblenz, Urt. v. 16.06.2023 — 6 U 1292/22, NJW-RR 2023, 1105 Rn. 22: Anwaltshaftung bei unkritischer Uebernahme fehlerhafter KI-Ausgaben — Korrekturpflicht als Compliance-Anforderung.
- BAG, Urt. v. 18.07.2017 — 1 ABR 59/15, NJW 2017, 3673 Rn. 28: Mitbestimmungsrecht des Betriebsrats bei EDV-Nutzungsrichtlinien — KI-Compliance-Regelsatz erfordert Betriebsratseinbindung.
## Zentrale Normen (Paragrafenkette)
- § 43a Abs. 2 BRAO — Verschwiegenheit
- § 43e BRAO — IT-Dienstleister-Anforderungen
- Art. 28 DSGVO — AVV-Pflicht
- Art. 5 Abs. 1 lit. c KI-VO — Verbotene biometrische Praktiken
- § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG — Mitbestimmung bei technischen Ueberwachungssystemen
## Triage zu Beginn
1. Welche KI-Systeme werden in der Kanzlei eingesetzt — ist eine Freigabeliste vorhanden?
2. Gibt es bereits einen Compliance-Regelsatz oder wird er neu erstellt?
3. Ist ein Betriebsrat vorhanden — wurde nach § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG eingebunden?
4. Sind alle Mitarbeiter ueber das Privat-Account-Verbot und die Anonymisierungspflicht informiert?
5. Gibt es Schulungsunterlagen zum Compliance-Regelsatz?
## Output-Template — Compliance-Regelsatz KI (10 Gebote)
**Adressat:** Alle Kanzlei-Mitarbeiter — Tonfall: verbindlich, klar
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COMPLIANCE-REGELSATZ KI-EINSATZ — [KANZLEI]
Stand: [DATUM] — Version: [VERSIONSNUMMER]
VERBINDLICH FUER ALLE MITARBEITERINNEN UND MITARBEITER
1. KEIN PRIVAT-ACCOUNT: Nur freigegebene Kanzlei-Accounts verwenden.
2. KEINE MANDATSDATEN OHNE ANONYMISIERUNG: Vor jeder KI-Eingabe pseudonymisieren.
3. KEIN PDF-UPLOAD OHNE AVV: Dokumente nur in Systeme mit Art. 28 DSGVO-AVV hochladen.
4. KEINE UNKRITISCHE UEBERNAHME: Jede KI-Ausgabe ist vor Verwendung menschlich zu pruefen.
5. KENNZEICHNUNGSPFLICHT: KI-generierte Inhalte im Schriftsatz als solche kennzeichnen.
6. QUELLENVERIFIZIERUNG: Jede Rechtsprechungs-Fundstelle gegen amtliche Quellen pruefen.
7. KEINE VERTRAULICHEN DATEN IN NICHT-FREIGEGEBENE SYSTEME.
8. MELDEPFLICHT: Sicherheitsvorfall oder ungewoehnliches KI-Verhalten sofort melden an: [KONTAKT].
9. SCHULUNGSPFLICHT: Jaehrliche KI-Pflichtschulung erforderlich.
10. COMPLIANCE-OFFICER KONTAKTIEREN bei Unsicherheit: [KONTAKT].
Verabschiedet von: [GESCHAEFTSFUEHRUNG], [DATUM]
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